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Buchhinweis: Das Fahreignungsseminar in der Praxis

Das am 1. Mai 2014 neu eingeführten Fahreignungsseminar (FES) soll verkehrsauffällige Kraftfahrer auf freiwilliger Basis zum Umdenken und zur Verhaltensänderung bewegen. Ein neu erschienenes Handbuch befasst sich mit der Aus- und Weiterbildung von Seminarleitern.

 

Im 1. Kapitel des Handbuches beschreibt Dieter Müller die Rechtsgrundlagen des FES im Rahmen des neuen Fahreignungs-Bewertungssystems (Punktsystem). Dabei werden die Regelungen des Straßenverkehrs- und Fahrlehrer-Gesetzes (StVG, FahrlG) sowie der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) verständlich und stellenweise auch kritisch – z. B. im Hinblick auf die im Gesetzgebungsverfahren entstandenen Änderungen des ursprünglich geplanten Seminarkonzepts – dargestellt. Die beiden Teilmaßnahmen des FES sind Gegenstand von Kapitel 2 und 3: Kay Schulte führt durch das verkehrspädagogische Modul, seine Hintergründe und Zielsetzungen; Birgit Kollbach beschreibt das verkehrspsychologische Konzept der DEKRA (Ziele, Verhaltensmodell mit lerntheoretischen, kognitiven und systemischen Zügen, Vorgaben und Durchführungsschritte). Im 4. und letzten Kapitel diskutieren Kollbach und Kollegen die geplante Evaluation des FES; wichtige Indikatoren der Wirksamkeit sehen sie in der Legalbewährung der Seminarteilnehmer, aber auch in Veränderungen des Wissens, der Einstellungen und des Verhaltens sowie in der Akzeptanz der Maßnahme, die aus Teilnehmerbefragungen ableitbar sind. Hier werden auch die aus den engen gesetzlichen Vorgaben resultierenden Probleme für die Evaluation kritisch beleuchtet. Der Anhang enthält weitere Materialien, Hinweise und ein Literaturverzeichnis. Insgesamt lassen vor allem die beiden praxisbezogenen Kapitel einen hohen Anspruch dieser FES-Konzeption erkennen, in kurzer Zeit (180+150 Minuten) sehr viel zu erreichen und tendieren zur Überfrachtung. Auch werden kritische Anmerkungen zu den überaus engen und detaillierten gesetzlichen Vorgaben zum FES und zum zugrundliegenden, ausschließlich lerntheoretisch geprägten Menschenbild vermisst. Die Vorzüge des Handbuches sind in der verständlichen, umfassenden und praxisbezogenen Darstellung zu sehen. Vor allem Kapitel 2 und 3 sowie der Anhang enthalten nützliche Instrumente für die Seminardurchführung wie Checklisten, Fragebögen oder Dokumentationshilfen, die teilweise als Hausaufgaben bearbeitet werden können. Das Handbuches wird daher sicherlich auch für Praktiker von Nutzen sein.. (ka)

Das Fahreignungsseminar in der Praxis. Handbuch zur Aus- und Weiterbildung von Seminarleitern ... . Birgit Kollbach , Dieter Müller, Georg Rudinger, Wolfgang Schubert, Kay Schulte. Bonn: Kirschbaum 2014, 126 S. A 4, 44 €, ISBN 978-3-7812-1915-1